Abwassermonitoring
Fachleute erwarten neue Corona-Welle im Herbst
- Fachleute erkennen bereits den Beginn einer Corona-Herbstwelle, glauben aber nicht, dass diese die Ausmaße vergangener Infektions-Wellen annehmen wird.
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Mit 1. Juli sind in Österreich die letzten Corona-Maßnahmen ausgelaufen. Damit verschwand das Virus auch aus dem Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit. Nun zeigt das Abwassermonitoring einen neuerlichen Anstieg des Infektionsgeschehens. Fachleute sehen darin bereits den Beginn einer Herbstwelle, blicken dieser jedoch einigermaßen gelassen entgegen. Indes stellte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die neue Corona-Variante EG.5 – bekannt auch unter dem Spitznamen "Eris" – unter besondere Beobachtung.
ÖSTERREICH. Seit 1. Juli sind alle Corona-Maßnahme in Österreich aufgehoben. Infektionen sind seither nicht mehr meldepflichtig, womit auch das Covid-19-Dashboard, das über viele Monate hinweg die täglichen Infektionszahlen und Todesfälle dokumentiert hatte, eingestellt wurde. Diese Woche wurde mit dem sogenannte "SARI-Dashboard" zwar ein weiterentwickeltes Frühwarnsystem implementiert, wie viele Menschen insgesamt an Covid erkrankt sind, wird allerdings nicht mehr erfasst.
Rückschlüsse auf das Infektionsgeschehen in der Gesamtbevölkerung können aus dem weiterhin stattfindenden Abwassermonitoring gezogen werden. Hier zeigt sich, dass die Fallzahlen aktuell, wenn auch langsam, im Steigen sind. In Wien etwa liegen die Zahlen aktuell bei Werten, die es zuletzt Ende Mai gab, wie "Wien heute" diese Woche berichtete.
Zuversicht vor neuer Corona-Welle
Epidemiologe Gerhard Gartlehner erwartet im Herbst eine neue CoV-Welle, wie er gegenüber dem ORF erklärte. Die gute Nachricht aber sei, dass die Immunität in der Bevölkerung hoch ist. Die meisten Menschen hätten eine sogenannte hybride Immunität erlangt, seien also sowohl geimpft als auch zumindest einmal genesen. "Das sollte uns im Herbst relativ gut schützen, weil wir es immer noch mit einer Subvariante der Omikron-Variante zu tun haben", so Gartlehner.
Diese Einschätzung teilt auch der Infektiologe Herwig Kollaritsch gegenüber. "Wir sind aufgrund der Grundimmunisierung der Bevölkerung in gar keiner unkomfortablen Situation". Es sei zwar wahrscheinlich, dass "wieder mehr Fälle auftreten", wenn es zu einer Welle kommt, sei diese aber "breitphasiger und sicher langsamer", so Kollaritsch.
Modifizierte Impfstoffe im Herbst
Die großen Pharmafirmen haben ihre Impfstoffe bereits angepasst und warten aktuell auf die Zulassung. Vorbehaltlich dieser sollen die modifizierten Impfstoffe dann im Herbst auf den Markt kommen. "Es wäre natürlich ideal, darauf zu warten und dann diese angepassten Impfstoffe zu verwenden“, so der Gartlehner.
Für die breite Bevölkerung erwartet der Epidemiologe keine große Gefahr mehr, sofern keine neuen Varianten auftreten. Allerdings: Vor allem für ältere Personen oder Personen mit Grunderkrankungen mache es "ganz sicher Sinn, dass sie sich im Herbst wieder auffrischen lassen", so der Experte.
"Impfung nicht mehr für gesamte Bevölkerung"
Dass es heuer nochmals zu Schulschließungen oder eine Maskenpflicht kommt, glaubt Gartlehner aber nicht. Laut dem Epidemiologen wird Corona im Herbst eine von mehreren Erkältungskrankheiten sein. Auch eine Auffrischungsimpfung für die die gesamte Bevölkerung ab 12 Jahren sei heuer voraussichtlich nicht mehr notwendig, so Gartlehner.
Der Epidemiologe Hans-Peter Hutter von der Medizinuni Wien geht davon aus, dass es noch zu einer Empfehlung des Nationalen Impfgremiums für eine Auffrischungsimpfung für über 60-Jährige und vulnerable Gruppen mit einem angepassten Impfstoff kommen wird. Infrage stellte Hutter die nunmehr fehlende Datenlage in Österreich. Diese mache es für die Medizin schwer zu prognostizieren, wie sich die Lage im Herbst verändern werde, sagte der Epidemiologe am Donnerstag gegenüber "Ö1". Dass es im Herbst, zu "gravierenden Verhältnissen" kommen wird, glaubt Hutter aber nicht, "aber man kann natürlich schwer was ausschließen".
Kritik an fehlender Datenlage
Long-Covid-Expertin und Professorin für Primärversorgung am Allgemeinen Krankenhaus Wien (AKH), Kathryn Hoffmann, kritisierte den Umgang mit der Krankheit im Land. "Österreich ist zahlenmäßig weiterhin eine Blackbox in Bezug auf Long-Covid-Daten und anscheinend ist politisch auch kein Interesse da, diese Zahlen zu erheben und gut darzustellen", sagte sie der "Kleinen Zeitung". Dass die Regierung die Meldepflicht abgeschafft habe, verstehe sie nicht. Die Maßnahme stünde auch im Kontrast zu den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO, so Hoffmann am Mittwochabend in der "Zeit im Bild 2".
WHO stellt Variante EG.5 unter Beobachtung
Indes stellte die WHO den Omikron-Subtypen EG.5 – Spitzname "Eris" – unter besondere Beobachtung. "In der epidemiologischen Woche 29 (17. bis 23. Juli 2023) betrug die weltweite Prävalenz von EG.5 17,4 Prozent. Dies ist ein bemerkenswerter Anstieg gegenüber den Daten, die vier Wochen zuvor (Woche 25, 19. bis 25. Juni 2023) gemeldet wurden, als die weltweite Prävalenz von EG.5 7,6 Prozent betrug", hält die WHO in einem aktuellen Bericht fest.
Als "besorgniserregend" wird EG.5 vorerst nicht gelistet. Zwar könne die Variante zu steigenden Infektionszahlen führen und früher oder später weltweit dominant werden, allerdings wurden bisher keine Veränderungen in der Schwere der Erkrankung gemeldet, heißt es.
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